Reicht die häusliche Pflege gegenüber einem Pflegebedürftigen nicht aus, erweitert sich automatisch der Anspruch auf intensivere Pflege – auch in teilstationären Bereichen. Zusätzlich kann die Tagespflege und die Nachtpflege auch als ergänzende Unterstützung bei Fällen angewandt werden, die einer verstärkten Betreuung bedürfen, aber ein permanenter Heimaufenthalt nicht erwünscht oder angebracht erscheint. Die Leistung schließt auch den Transport in die dafür vorgesehenen Einrichtungen ein – von der Wohnung bis zur Pflegestation und mit anschließender Rückkehr in die private Eigentumswohnung.

Die Tagespflege

Abhängig von den individuellen Voraussetzungen baut die Tagespflege eine Brücke zwischen langfristiger Intensivbetreuung in Pflegeheimen und der Unterstützung vor Ort im eigenen Haus. Im Fokus dieser Maßnahmen steht die Aufrechterhaltung einer vertrauten Umwelt und des gewohnten Lebensstils. Emotionale Stabilität und persönliche Zufriedenheit werden durch den Wechsel zwischen häuslicher und Pflegeumgebung garantiert. Tagsüber wird die Betreuung in der Tagespflegestätte mit Hilfe des zuständigen Personals realisiert, während Pflegepatienten die Nacht weiterhin im eigenen Bett und somit Zuhause verbringen können.

Eine genaue Analyse der persönlichen Lebenssituation und Schwere des Pflegebedarfs ist dabei vonnöten, um beiden Parteien, den Pflegern sowie dem Patienten, Genüge zu tun. Das Ziel der Tagespflege ist ein Kompromiss aus den Interessen beider Seiten und soll eine möglichst sorgenfreie Lebensführung ermöglichen.

So verhilft die Gewissheit, pflegebedürftige Angehörige in sicheren Händen zu wissen, zu einem komfortableren und leistungsfähigeren Berufsalltag. Gleichzeitig ergeben sich neue Zeitfenster, im familiären Umkreis das eigene Leben nicht aus den Augen zu verlieren. Sogenannte Tageszentren dienen dabei als primäre Anlaufstelle und können unter der Woche von 8 bis 16 Uhr wertvolle Unterstützung anbieten. Sofern der Fall nicht zu schwer gelagert ist, erfüllt die Betreuung bis in den späten Nachmittag alle notwendigen Anforderungen gegenüber dem Pflegepatienten und schafft so neue Spielräume für persönliches Zeitmanagement der pflegenden Familienmitglieder oder Angehörigen.

Aber nicht nur der körperlichen Pflege wegen zeigt die Tagespflege Vorteile auf. Auch gegen Einsamkeit und Langeweile weiß sie mit unterschiedlichen Angeboten vorzugehen. Neben speziellen Therapien und täglichen Mahlzeiten stehen auch interessante Freizeitaktivitäten auf dem Programm. Auch im hohen Alter ist das Kontaktbedürfnis zu anderen Mitmenschen nach wie vor ungebrochen und kann zudem auch die mentale Lage entscheidend verbessern. Übungen zur Erhaltung der Beweglichkeit, zur Vorbeugung oder Linderung von Krankheitssymptomen erhalten dadurch eine starke soziale Komponente und einen zugleich unterhaltsamen Anstrich. So eröffnen sich vor allem im Bereich der Untersten Pflegegrade (Leistungen für Versicherte mit erheblichem, allgemeinem Betreuungsbedarf) neue Möglichkeiten für Betroffene und Angehörige. Der wichtigste Faktor besteht aber in der Herauslösung aus dem Pflegealltag innerhalb der eigenen vier Wände, der aufgrund mangelnder Abwechslung und Kontakte sehr schnell ermüdend und isolierend auf Menschen einwirken kann.

Die Pflegebedürftigen gelangen mit Hilfe eines spezialisierten Fahrdienstes zur Tagesstätte. Auch die Rückfahrt zur eigenen Wohnung gehört fest zum Aufgabenspektrum. Dank der gegebenen Transportmöglichkeiten gelangen auch in der Mobilität stark eingeschränkte Menschen wie Rollstuhlfahrer oder bettlägerige Personen an den Zielort und dürfen den täglichen Aktivitäten und Angeboten beiwohnen. Der verfrühte Einzug aufgrund unpassender Lebensumstände kann dank der Tagespflege effektiv unterbunden werden und so über einen langen Zeitraum die Lebensqualität eines Menschen aufrechterhalten. Auch als Eingewöhnung für einen geplanten Daueraufenthalt in Heimen kann diese Maßnahme sich als nützlich erweisen und den Patienten langsam und behutsam auf seinen neuen Lebensraum vorbereiten. Auf diese Art wird Abwehrhaltungen und unnötigen Ängsten vorzeitig der Wind aus den Segeln genommen.

Die Nachtpflege

Als Gegenstück zur Tagespflege erfüllt die Nachtpflege einen ähnlichen Zweck mit unterschiedlichem Ansatz. So verbindet die Nachtpflege die Unterbringung in Pflegeeinrichtungen mit dem täglichen Aufenthalt in vertrauter und persönlicher Umgebung. Dabei gilt die Pflege zur Ruhezeit meist als besonders schwerwiegend, da durch Unterbrechungen wie Toilettengänge oder Veränderung der Lagerung der Schlafzyklus beeinträchtigt wird. Eine erholsame Nacht ist durch eine Auslagerung an Pflegeeinrichtungen wieder möglich.

Vor allem bei allein lebenden Pflegefällen kommen noch weitere Argumente für die Nutzung der Nachtpflege hinzu: Nachts sind diese Personen gänzlich auf sich alleine gestellt. Der ambulante Pflegedienst arbeitet nur tagsüber und damit steigen auch persönliche Ängste vor einem Missgeschick, deren Konsequenzen besonders großen Einfluss auf die Psyche haben können. Dagegen führt die Übernachtung in sicherer Umgebung und der Nähe von ausgebildetem Fachpersonal zu deutlich mehr Ausgeglichenheit. Das Wissen, sich jederzeit in Reichweite von helfenden Händen aufzuhalten, hat eine äußerst positive Auswirkung auf Körper und Seele. Die Sorge um ausreichende Hygiene bei Toilettengängen oder der Hilflosigkeit beim Zubettgehen wird dadurch entgegengewirkt.

Insgesamt präsentiert sich die Nachtpflege als praktischer Kompromiss, der pflegende Angehörige zu den Schlafenszeiten spürbar entlastet. Für alle Pflegefälle, die zu Hause im Beisein ihrer Familie den Tag verbringen können und wollen, ist dies ein angemessener Weg, um allen Beteiligten einen akzeptablen Arbeitsaufwand zukommen zu lassen.

Der Transport in die Übernachtungseinrichtung realisiert ein ausgebildeter Fahrdienst. Abends werden Patienten abgeholt und nach erfolgreicher Erholung auf der Pflegestation wieder am nächsten Morgen zu ihrem vertrauten Wohnsitz gebracht. Zwar stehen aufgrund der Zeiten keine interessanten Aktivitäten zur Auswahl, dennoch schlägt Nachtpflege ebenso wie die Tagespflege eine Brücke hin zu einem möglichen Umzug ins Pflegeheim, sobald dieser als notwendig erscheinen sollte.

Kosten der Tages- und Nachtpflege

Die üblichen Sachleistungen werden gemeinsam mit den anfallenden Kosten für den Transport von der Versicherung abgedeckt. Allerdings entsteht durch die Nutzung der beiden Pflegeangebote ein zusätzlich finanzieller Aufwand in bestimmten Bereichen. Die Kosten für die Unterkunft, Mahlzeiten und die Installation von notwendigen Geräten oder Vorrichtungen fallen beispielsweise nicht darunter.

Je nach Lage, ist es den Pflegern erlaubt, die Leistungen für Tages- und Nachtpflege sowie dem ausstehenden Pflegegeld nach eigenen Wünschen zu kombinieren. Zwar beeinträchtigt dies die Übersicht in der Abrechnung der einzelnen Posten, kann aber zu einem erhöhten Leistungsertrag führen. Dieser beläuft sich auf bis zu 150 % und resultiert aus einer Kombination mehrere Pflegeleistungen untereinander. So kann zusätzlich zur Tages- oder Nachtpflege auch ein 50 %-iger Anspruch auf häusliche Pflegeeinsätze geltend gemacht werden. Die Grenzen werden dabei klar von der Leistungs- und Kostenvorgaben für Sachleistungen im entsprechenden Pflegegrad geregelt.

Alleine das Beziehen eines hergerichteten Quartiers in Pflegestationen zieht folgende Kosten nach sich, wovon alleine nur die Pflegeleistungen von der Versicherung übernommen werden:

  • Investitionskosten (Betrieb, Bau, Instandhaltung – sofern keine staatliche Unterstützung bei der Einrichtung genutzt wurden)
  • Unterbringung und Verpflegung
  • Pflegeleistungen

Als Richtlinie dient ein Betrag von ungefähr 20 €, der pro Tag zusätzlich privat beigesteuert werden muss. Fällt der Pflegefall in den Kategorie Pflegegrad I, können zudem die Investitionskosten von der Versicherung übernommen werden. Ebenso verhält es sich mit Transport zwischen Pflegestation und privatem Wohnsitz. Pflegegeld und Sachleistungen werden von der Tages- und Nachtpflege gesondert behandelt und nicht untereinander angerechnet.