Jeder alternde Mensch weiß, dass seine Zeit auf der Erde begrenzt ist. Kaum ein Senior macht sich keine Gedanken darüber, wie es bei ihm sein wird. Auf manche Fragen kann man keine Antwort geben, auf die Frage nach Schmerzen bei chronischen oder altersbedingten Krankheiten im hohen Alter jedoch schon: Patienten, die bald sterben müssen, müssen dabei keinen Schmerz spüren. Die Palliativpflege ermöglicht ihnen einen würdevollen, weitestgehend schmerzfreien Lebensabend, den sie mit so hoher Lebensqualität wie möglich genießen können.

Palliativpflege: Schmerzbehandlung ohne Heilungsaussicht

Bei chronischen oder tödlich endenden Erkrankungen muss der Patient sich damit abfinden, dass keine Heilung möglich ist. Vor allem Senioren im hohen Alter entwickeln solche Krankheiten oder leiden schlichtweg an Alterserscheinungen, die die Lebensqualität rauben. Nicht zuletzt haben sie Angst – vor dem Schmerz, vor dem Tod und vor dem, was die Krankheit aus ihnen machen wird. Dabei sollten sie die Möglichkeit haben, den Lebensabend so sehr wie möglich zu genießen und auszukosten. Die Palliativpflege hat die Aufgabe, chronisch kranken oder sterbenden Menschen den Schmerz so weit wie möglich zu nehmen und es ihm zu ermöglichen, seine Zeit auf der Erde noch zu genießen. Sie kann zwar nicht dafür sorgen, dass ein Rollstuhlfahrer für kurze Zeit wieder laufen kann, aber sie kann ihm Schmerzfreiheit bieten und ihm dadurch die Angst nehmen, dass vorhandene Schmerzen nur noch schlimmer werden. Allerdings verspricht die Palliativpflege auch keine Heilung, denn diese kann die Medizin nicht mehr leisten.

Die Ziele der Palliativpflege

Palliativpflege kann bereits bei sehr jungen Patienten notwendig sein. Häufig bietet sie sich aber in der Altenpflege an, da chronische, degenerative und tödliche Krankheiten im Alter mit mehr Leidensdruck für den Patienten verbunden sind oder jetzt erst auftreten. Die Palliativpflege versucht, im Einzelfall Symptome der Erkrankung oder des Zustandes zu bessern, die Lebensqualität des Patienten zu steigern und ihm zu ermöglichen, selbstbestimmt zu leben, so lange er weitermachen möchte. Sie will nicht um jeden Preis das Leben verlängern, sondern dem Patienten Selbstbestimmung ermöglichen, so weit diese ihm noch möglich ist. Die Palliativpflege kann beispielsweise Schmerzmedikamente verordnen, die einem Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen und ihm ermöglichen, nicht nur an den Schmerz, sondern auch noch an andere Bedürfnisse zu denken.

Wie arbeitet die Palliativpflege?

In der Palliativpflege geht es nie nur um die Verschreibung von schmerzregulierenden Medikamenten. Häufig arbeitet die Palliativpflege Hand in Hand mit der Hospizarbeit zusammen, die es einem sterbenden Menschen ermöglichen will, sein Leben und seinen Tod so zu gestalten, wie er sich am wohlsten fühlt. Gerade ältere Menschen möchten nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause sterben, wo sie schon immer gelebt haben und wo sie ihre Familie bestenfalls um sich haben. Sie haben die Möglichkeit, eine ambulante Pflegekraft oder ein Palliative Care-Team zu sich kommen zu lassen. Palliativpflege kann aber auch auf der Station des Krankenhauses, in einem Hospiz oder in einem Tageshospiz durchgeführt werden, wo der Patient nur tagsüber ist – nachts ist er zu Hause in der gewohnten Umgebung. Auch viele Altenpflegeheime leisten zwangsläufig Palliativpflege.

Sonderfall Demenz: Palliativpflege für Demenzkranke

Die Demenz ist eine Herausforderung für jede Pflegekraft. Der Patient kann nicht mehr äußern, ob er Schmerzen hat, hungrig ist, Wasser braucht oder sich unwohl fühlt. Später können wichtige Körperfunktionen nicht mehr gesteuert werden. Die Demenz wird mit dem Tod enden und ist ein klassischer Fall für die Palliativpflege, doch im Regelfall ist diese auf die Schilderung der Symptome des Patienten angewiesen. Speziell geschulte Pflegefachkräfte bringen vor allem den Angehörigen Erleichterung, aber auf dem Patienten selbst. Sie können dafür sorgen, dass er ausreichend Schmerzmedikamente bekommt, um nicht mehr als nötig zu leiden, und sie können beispielsweise über schwierige Fragen wie die künstliche Ernährung über eine Magensonde entscheiden.

Welche Leistungen der Palliativpflege übernimmt die Krankenkasse?

Nach SGB V werden Leistungen der Palliativpflege sowohl zu Hause, im Alten- und Pflegeheim als auch im Krankenhaus übernommen. Dabei sind folgende Leistungen inkludiert:

  • Palliativpflege durch Hausärzte, Palliativmediziner und Schmerztherapeuten
  • Palliativpflege zu Hause durch einen Krankenpfleger

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) bei ärztlicher Verordnung für mindestens sieben Tage, danach auf Antrag auch länger

Ist der Patient außerdem pflegebedürftig, kommen auch die Pflegekassen für die Betreuung auf. Hospizdienste wie Beratung, Begleitung von Angehörigen und andere Arten der Unterstützung dagegen sind für Patienten und ihre Angehörigen kostenlos. Das liegt daran, dass sich ein Hospiz durch Zuschüsse von Krankenkasse, aber auch durch Spenden finanziert. Die Mitarbeiter sind ehrenamtlich dort. Der Gesetzgeber plant künftig, insbesondere Hospize künftig weiter zu stärken und die Tagessätze für Patienten zu erhöhen, die sich entschieden haben, ihren Lebensabend dort zu verbringen. Dies folgt dem Grundsatz, die Betreuung und verfügbaren Leistungen der Palliativpflege dort noch weiter zu unterstützen, wo Menschen ihren Lebensabend verbringen wollen, um ihnen die größtmögliche Selbstbestimmung zu ermöglichen.